Geschichtsdrama über wechselnde Formen der Diktatur in den entlegenen Amazonasgebieten Venezuelas: Im Jahr 1912 tritt ein neuer Gouverneur seinen Posten in Rio Negro an; er reißt sofort alle Zügel an sich, bemächtigt sich der Gewinne aus den Gummiplantagen und leitet eine grausame, dekadente Ära ein. Schließlich wird er vom Sicherheitschef der Plantagen entmachtet, doch dessen puritanisches Regime ist kaum weniger willkürlich.
Im Deutschen Filmdienst mit Amerika, Terra Incognita (Diego Risquez, 1988), Jericó (Luis Alberto Lamata, 1991), Libertador (Alberto Arvelo, 2013) und Der Schamane und die Schlange (Ciro Guerra, 2025) unter den besten Historienfilmen aus Venezuela gelistet.
In Anwesenheit des Regisseurs
Regisseur, Drehbuchautor
In La Pastora, Caracas, als Sohn französischer Migranten geboren, entwickelte Atahualpa schon als Kind Interesse an der Natur und Geografie seines Landes. Der Vater, René Lichy, anerkannter Entomologe, Ökologe und Kunstliebhaber, nahm seinen Sohn frühzeitig auf Expeditionen durch den Amazonas oder die Anden mit.
1956 ging Atahualpa nach Paris, um Geologie zu studieren. Bald aber widmete er sich als Assistent von Henri Langlois, Mitbegründer der Cinématheque Française, der Restaurierung und Projektion von Filmen. Geologie blieb zwar sein Interesse, doch diese und andere Themen galt es nunmehr durch die Kamera einzufangen.
Von 1965 bis 1984 drehte er in Frankreich über sechzig Kurz- und mittellange Filme für Kino und Fernsehen. Zwischen 1981 und 1984 führte er die Regie der legendären Dokumentarfilmreihe Claves über das Neue Lateinamerikanische Kino. Diese Reihe wurde 2022 von der französischen Cinémathèque restauriert und digitalisiert. Sie ist bis heute ein einzigartiges Gedächtnis des Neuen Lateinamerikanischen Films.
Lichy, an dessen Seite auch oft seine Ehefrau Diana steht, sie ist Drehbuchautorin und Schriftstellerin, ist seit vielen Jahren als wahrer Botschafter des Films unterwegs. Er ist Mitbegründer und -organisator zahlreicher internationaler Festivals, stand ihnen teilweise einige Jahre selbst als Leiter vor.
So war er von 1969 bis 1975 an der Gründung und Organisation der „Quinzaine des Réalisateurs” in Cannes beteiligt.
2002-2010 war er künstlerischer Leiter der Rencontres du Cinéma Sud-Américain in Marseille. Auch in Lateinamerika hatte er bedeutende Funktionen inne, in Argentinien beim Festival de Río de la Plata und in Kolumbien beim Festival de Cartagena.
Im August 1989 drehte er in Guayana und im Amazonas Río Negro, seinen ersten Spielfilm. 1991 uraufgeführt, ist der international vielfach prämierte Film im Deutschen Filmdienst unter den besten Historienfilmen aus Venezuela gelistet.
2011 wird mit El misterio de las lagunas. Fragmentos andinos Lichys erster langer Dokumentarfilm uraufgeführt und später in Venezuela und international auf mehr als sechzig Festivals vielfach ausgezeichnet. ViF hatte den Film 2012 gezeigt.
2024 erscheint mit Páramos de Leyendas der zweite Andenteil, der ein Jahr später beim Latino Native American Film Festival (USA) und beim Festival del Cine Venezolano in Margarita ausgewählt wird. Lichy wird mit diesem Film Ehrengast des 39. Festival de Cine Francés in Venezuela.
In Postproduktion befinden sich La Nostalgia no ha borrado mis recuerdos und San Benitos y A la Velocidad de la Luz, letzteres Filmprojekt ist eine Hommage auf Leben und Werk des kinetischen Künstlers Juvenal Ravelo.
Atahualpa Lichy wird als Ehrengast das Festival gewidmet. Er wird zur Eröffnung und zum Abschluss des Festivals bei uns sein.
(Foto: Carlos Ayesta)
