LUIS ALBERTO LAMATA (14.12.1959-24.8.2025)

«¡En el cine cabemos todos!»

Luis Alberto Lamata

Wir wollten ihn persönlich im Filmsaal ehren. Doch schon im April erkrankte er, konnte nicht zu uns kommen.

IN MEMORIAM

«¡En el cine cabemos todos!» Das waren die Worte, mit denen sich Luis Alberto Lamata in seiner Rede an das Publikum wandte, als einer der Ehrengäste des 20. venezolanischen Filmfestivals auf Isla Margarita im Juni 2024. Tosender Applaus war die Antwort aller im vollbesetzen Kinosaal des Cinex.

Gestern morgen verstarb Luis Alberto unerwartet nach einem langen Kampf gegen seine Diabetes-Erkrankung. 

Für das Festival Venezuela im Film-¡Qué chévere! war Luis Alberto vor allem seit der Unabhängigkeit von unschätzbaren Wert, war es doch auch dieser Ansatz, den wir an ihm schätzten. Bei der Filmauswahl war er es, der uns stets daran erinnerte: «Im Kino haben wir alle Platz».

ViF zeigte im Laufe der Jahre viele seiner Filme, von Jericó (1990), über die unabhängige Produktion El enemigo (2008) bis Parque Central (2018). Im Jahr 2014 eröffnete Luis Alberto Lamata mit seinem historischen Film Bolívar, el hombre de las dificultades die zehnte Auflage des Festivals.

Ende letzten Jahres beendete er gemeinsam mit seinem Filmteam eine Miniserie über Hugo Chávez, in der er die Geschichte von der Kindheit des damaligen Präsidenten bis kurz vor seiner Amtsübernahme nachzeichnete. Mit einem Team aus Historiker*innen und Schriftsteller*innen verfasste Luis Alberto ein Drehbuch, dem viele Monate Forschung, Lektüre und Debatten vorausgingen. Mitte 2024  hätten die ersten Kapitel der Serie im Fernsehen  ausgestrahlt werden können. Doch der Auftraggeber der Miniserie gab die Autorisierung nicht frei. 

Bis heute, 2025, war es Luis Alberto nicht vergönnt, seine Arbeit der Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Gründe, bis heute, nicht nachvollziehbar, die Enttäuschung von Luis Alberto, darüber sehr wohl. Bis gestern. Nun ist es zu spät. 

Unser Schmerz ist unendlich. Luis Alberto, mehr als ein anderer warst du von Herzen solidarisch, kompromisslos loyal, optimistisch und vor allem eines: ein wunderbarer Freund und großartiger Filmemacher, der uns auch dies auf den Weg gibt, den wir nun ohne dich gehen müssen: «¡En el cine cabemos todos.»

Regisseur, Drehbuchautor und Historiker

1959 in Caracas geboren, studierte Lamata Geschichte an der Universidad Central de Venezuela in Caracas. Er war Filmregisseur, Drehbuchautor, Film- und Fernsehproduzent.

1990 wird mit Jericó sein erster Spielfilm uraufgeführt, mit dem er aus dem Stand heraus internationale Anerkennung bekommt: so erhält er etwa den Gran Coral für den besten Spielfilm im Rahmen des Festivals von Havanna, den Sonderpreis der Jury in Cartagena, den Preis für das beste Erstlingswerk in Biarritz. Er wurde für den spanischen Goya nominiert und die Berlinale präsentierte Jericó im Internationalen Forum junger Film 1992. Bis heute wird Jericó in Venezuela und im Ausland als Referenz im Kontext der filmischen Auseinandersetzung der spanischen Inquisition des 16. Jahrhunderts gezeigt.

Als Graduierter in Geschichte (UCV) ist ein Großteil seines Filmschaffens der Historie seines Landes gewidmet. Mit Miranda regresa (2007), Taita Boves (2010) und Bolívar, el hombre de las dificultades (2013) nimmt er sich großen Persönlichkeiten des südamerikanischen Landes an, was aber nicht bedeutet, so Lamata selbst, dass er sich für die anonymen Stimmen nicht interessierte, wie es seine Filme Azú, alma de princesa (2013), die Geschichte einer Sklavin, oder auch schon Jericó, mit einem Dominikanermönch als Hauptfigur, zeigten. Mit dem Drama El enemigo (2008) und dem Episodenfilm Parque Central (2018) nimmt er die Gegenwart der venezolanischen Gesellschaft in den Fokus.

Im Fernsehen hat er mehr als fünfzig Telenovelas und Miniserien für Venezuela, Mexiko und Peru gedreht. Die jüngste TV-Premiere ist Carabobo, Caminos de Libertad im Jahr 2021. Die 12-teilige Drama-Miniserie erzählt die Abenteuer mehrerer Figuren, die 1821 während des lateinamerikanischen Unabhängigkeitskrieges an der Schlacht von Carabobo teilnehmen.

Mit dem Premio Nacional de Cultura mención Cine 2021/2022 erhält Luis Alberto Lamata die höchste Auszeichnung in Venezuela für sein bisheriges Filmwerk.

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